Was Lotto Lothar nicht wusste

By | Oktober 14, 2015

Wer kennt nicht den skurrilen Lotto-Millionär mit dem klangvollen Spitznamen Lotto-Lothar?
Einige Leser mögen die tragische Geschichte des arbeitslosen Hannoveraners, der den Großteil seines Lebens unter dem bürgerlichem Namen Lothar Kuzydlowski bekannt war, als einen urbanen Mythos abtun, wiederum andere mögen die Story für so etwas wie eine Erfindung der BILDZeitung halten. Aber das Schicksal des Lotto-Millionärs und exzentrischen Lebemanns ist leider nur allzu wahr und sollte allen Glücksrittern als warnendes Beispiel dienen.
Die Eckdaten von Lothars Geschichte sind schnell erzählt: Im Jahr 1994 gewinnt der zu diesem Zeitpunkt 48-jährige Teppichverleger 3,9 Millionen D-Mark (umgerechnet rund 2. Millionen Euro) in der Lottoziehung am Samstag. Die Freude über den unerwartetsten Geldsegen ist groß, denn plötzlich ist Lothar scheinbar mit einem Schlag aller finanziellen Sorgen für immer enthoben.
Kurz darauf ist Lothar Besitzer einer markanten Halskette aus purem Gold, (an seinem Hals prangen von nun an die Initialen LLL: Lotto, Lothar, Lamborghini) einer ausgeprägten Affinität zu Branntwein sowie eines dezenten weißen Sportwagens aus dem Hause Lamborghini. Aus dem erwerbslosen Facharbeiter wurde innerhalb kürzester Zeit der schillernde Lotto Lothar, dem sein zweifelhafter Ruhm in Deutschlands Revolverblättern offensichtlich zu gefallen schien. Der frisch gebackene Lotto-König jettete von nun an hemmungslos um die Welt und verwandelte sein Leben in eine einzige nicht enden wollende Party.
Nur fünf Jahre später starb Lothar einsam und verlassen an einer Leberzirrhose in Folge seines hemmungslosen Konsum von Spirituosen. Den Großteil seines Vermögens hatte er in kürzester Zeit für Schampus und leichte Damen durchgebracht. Den Rest des Geldes, umgerechnet etwa 25 000 Euro, vermachte er einer namenlosen Bardame.

Lothar wollte einfach zuviel auf einmal! Der tragische Lebemann und Hobby-Dandy entschied sich für ein Leben auf der Überholspur. So nimmt es nicht Wunder, dass der Lotto-König eher früher als später den Preis für seine ungehemmten Exzesse bezahlen musste. Dennoch lässt sich Lothars Schicksal wohl kaum verallgemeinern. Wer aus Lothars Schicksal ableiten möchte, dass Geld den Charakter verdirbt, der urteilt zu vorschnell. Der Umgang mit Geld wurzelt vielmehr in der Erziehung und somit eine Sache des Anstandes. Denn wer vor seinem Lottogewinn nicht sparsam war, wird nach dem ersehnten Geldsegen erst recht nicht zum Pfennigfuchser avancieren. Ein maßvoller Umgang mit den nur scheinbar unbegrenzten finanziellen Ressourcen ist nach wie vor unumgänglich für ein sorgenfreies und bewusstes Leben – auch nach dem Sechster im Lotto. Denn wie heißt es so schön: Wir müssen sorgsam darauf achten was wir uns wünschen, denn vielleicht gehen unsere Wünsche ja in Erfüllung.